Anneke Kleimann

Formen von Zeitlichkeit, die unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegen, gebe ich eine Körperlichkeit. Die Ausgangspunkte meiner Skulpturen sind mess-, aber nicht begreifbar. Aus diesen Realfiktionen entwickle ich durch Modellierungsprozesse subjektive Behauptungen von Vorstellungsmodellen. Während der intensiven handwerklichen Bearbeitung entziehe ich der äußeren Form und Oberfläche meine persönliche Handschrift. Die Skulpturen formulieren in ihrer Eigenständigkeit so neue Fragen an die Wahrnehmung von Zeit und Raum.

Für meine Skulpturen bearbeite ich unterschiedliche Materialien wie Kunststoff, Keramik, Papier, Metall, Holz, aber auch Klang, und übertrage beispielsweise eine 57/1000 Sekunde des Meeresrauschens in eine Skulptur, die perspektivisch zur Raumzeichnung wird.

Anlass meiner künstlerischen Auseinandersetzungen ist meist ein emotionales Erstaunen, ausgehend von einer persönlichen Erfahrung. Während eines Paris-Aufenthaltes beobachtete ich beispielsweise den Blick einer Frau auf ihre Armbanduhr. Sie zeigte eine andere Uhrzeit als die dortige Ortszeit. Aus dieser Entdeckung entstand der Wunsch, die Gleichzeitigkeit der verschiedenen Uhrzeiten auf dem Erdball in eine gemeinsame Bildlichkeit zu übersetzen.

Als Bildhauerin interessieren mich die unterschiedlichen Dimensionen des handwerklichen Arbeitens. Meine Skulpturen entstehen in Kombination von computerbasierten Vorgängen wie dem Entwerfen von 3D-Modellen und dem CNC-Fräsen sowie langwierigen Prozessen der Bearbeitung per Hand, wie Kleben, Schleifen, Spachteln, Lackieren und Polieren.

Anneke Kleimann

 

Anneke Kleimann
(*1988 in Oldenburg, lebt und arbeitet in Berlin, Deutschland)

2018 Arbeitsaufenthalt Künstlerhäuser Worpswede,
2017 Goldrausch Künstlerinnenprojekt, Berlin

Ausstellungen u. a.: Kunstverein Wolfenbüttel e. V. (2018); Schleswig-Holsteinisches Künstlerhaus Otte 1, Eckernförde (2018); FRISE, Hamburg (Solo, 2018); Kaskadenkondensa-tor Raum für aktuelle Kunst und Performance, Basel (2018); Kunstverein Fischerhude e.V. (2017); Kunstquartier Bethanien Studio 1, Berlin (2017); Zentrum für Künstlerpublikationen, Bremen (2017); Affenfaust Galerie, Hamburg (2016); S.T.R.E.A.M. Festival (with Hara Alonso); Kampnagel, Hamburg (2016); Hinterconti, Hamburg (Solo, 2015); Galerie für Gegenwartskunst Barbara Claassen-Schmal, Bremen (Solo, 2015); Westwerk, Hamburg (2014); Wiensowski & Harbord, Berlin (2012)

 

Swing, Turn, Delivery, Recovery (2015, Glasfaserlaminat, Lack, 40 x 100 x 100 cm)

 

Welle, konvertiert, 1:27.88-1:27.8857 (2015; Glasfaserlaminat, Pigment, Nylonschnur; 0,4 x 133 x 35 cm)

Fotos: © Marcus Schneider